Lohner Leute: Otto Schulte
Veröffentlicht am 19.12.2025
Vor 30 Jahren wurde die private Hilfsorganisation "Bokerner Clique" gegründet, die humanitäre Hilfstransporte in die Ukraine bringt. Bereits seit den Anfängen 1996 übernimmt Otto Schulte die Öffentlichkeitsarbeit und setzt sich bis heute mit seiner Frau Maria ehrenamtlich für die Ukraine-Hilfe ein.
Lohner Wind: Herr Schulte, stellen Sie sich gerne einmal vor.
Otto Schulte: Ich bin 77 Jahre alt, in Lohne geboren und aufgewachsen und habe immer hier gelebt. Seit 1973 bin ich mit meiner Ehefrau Maria verheiratet. Wir haben drei gemeinsame Kinder und fünf Enkelkinder. Vor zwei Jahren durften wir bei guter Gesundheit unsere Goldene Hochzeit feiern.
Lohner Wind: Was haben Sie vor Ihrem Renteneintritt beruflich gemacht?
Otto Schulte: Nach dem Schulabschluss absolvierte ich eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann in einem Lohner Fachgroßhandel für Stahl-, Sanitär- und Heizungsartikel. In dieser Firma habe ich mein gesamtes Arbeitsleben bis zum Renteneintritt verbracht, davon 37 Jahre im Außendienst, verantwortlich für Fachhandwerker im Bereich Haustechnik.
Lohner Wind: War Lohne immer Ihr Zuhause?
Otto Schulte: Ich bin Lohner Junge durch und durch, fühle mich sehr wohl in unserer Stadt, Lohne ist meine Heimat! Deshalb gab es für mich nie den Wunsch, irgendwo anders zu leben. Unsere verheirateten Kinder und viele gute Freunde leben im Umkreis. Meine Frau und ich möchten gerne, dass Lohne unser zu Hause bleibt.
Natürlich reisen auch wir gerne, aber eher in Deutschland. Städtetouren nach Hamburg, München oder Berlin stehen oft im Vordergrund.
Lohner Wind: Wofür haben Sie sich ehrenamtlich eingesetzt?
Otto Schulte: Die ehrenamtliche Tätigkeit beschränkt sich für mich auf ein Thema: Die Ukraine-Hilfe! Dort sind meine Frau und ich wirklich stark eingebunden. Da die Bokerner Clique aktuell zweimal im Jahr einen Transport fährt, sind das ganze Jahr über Arbeiten zu erledigen.
Lohner Wind: Wie kam es zu dieser Hilfsorganisation "Bokerner-Clique, Humanitäre Hilfe für Kinderheime in der Ukraine"?
Otto Schulte: In den Jahren nach dem Zerfall der UdSSR war besonders in der Ukraine Not und Armut an der Tagesordnung. Die Menschen in Deutschland wurden darüber informiert. Es bildeten sich vielerorts Gruppen mit dem Ziel, Hilfe zu spenden.
Im Landkreis Vechta gab es so eine Vereinigung, an der sich unser Gründer Willi Seelhorst zweimal beteiligt hatte. Bei einer Geburtstagsrunde entstand die Idee, einen eigenen Transport auf die Beine zu stellen. Das war die Geburtsstunde der Bokerner Clique. Neun Ehepaare unserer langjährigen privaten Jugendclique beschlossen, einen humanitären Hilfstransport in die Ukraine zu bringen.
Nachdem festgelegt wurde, dieses im Jahr 1996 zu verwirklichen, musste jemand für Öffentlichkeitsarbeit gefunden werden, eine Aufgabe, die mir übertragen wurde. Presseveröffentlichungen helfen sehr. Unsere private Hilfsorganisation "Bokerner-Clique, Humanitäre Hilfe für Kinderheime in der Ukraine" ist auf diese Mitteilungen angewiesen. So bekommen wir die notwendige Aufmerksamkeit und wichtige finanzielle Unterstützung.
Lohner Wind: Sicher gab es seitdem Veränderungen...
Otto Schulte: Schauen wir zurück auf 30 Jahre Bokerner Clique kann man sagen, dass es seit dem ersten Transport bis heute Veränderungen in den Abläufen gegeben hat. Neue, uns nicht bekannte Bestimmungen an der Grenze sind keine Seltenheit. Geänderte Zollformalitäten machen immer wieder Probleme und bringen Zeitpläne durcheinander. Dazu kommt die Verständigung in der schweren ukrainischen Sprache. Das alles hat so manches Mal für Aufregungen gesorgt.
Wenn wir sagen: "Wir wollen doch nur helfen, warum neue Probleme?" gibt es nur Achselzucken. Vorschriften müssen eingehalten werden, heißt es. Strenge ukrainische Vorgaben sind nicht verhandelbar!
Aber hat man einmal eine Internatsschule für Waisenkinder gesehen, oder Heime mit behinderten Kindern besucht, können wir nicht einfach wegschauen oder gar wegbleiben. Unsere selbst auferlegte Mission lautet: Hilfe für bedürftige Menschen in der Ukraine. Daswird von uns immer wieder neu gelebt. Innerhalb unserer Gemeinschaft gibt es keine Hierarchie. Alle Gedanken und Meinungen werden auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Der gegenseitige Respekt ist die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf aller Arbeiten. Mit dieser Einstellung sind wir sehr gut gefahren. Wir verstehen uns und leben weiterhin in einer guten Gemeinschaft!
Lohner Wind: Sicher war der russische Angriff auf die Ukraine ein Wendepunkt in Ihrer Hilfsleistung. Können Sie einmal die Änderungen beschreiben?
Otto Schulte: Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 hat sich auch für die Bokerner Clique einiges verändert. Wir wurden plötzlich um Geräte zur Absicherung der bedrohten Energieversorgung gebeten. Powerbanks für die Handyaufladung bis zu leistungsstarken Generatoren für die Strom- und Heizungsversorgung standen sofort im Vordergrund. In den letzten drei Jahren konnten wir vier Diesel betriebene Generatoren in den Leistungsgrößen 8 bis 18 KW an langjährige Partner überreichen. Vier zusätzliche Powerstationen brachten Stromsicherheit in zwei Kindergärten, einer Fachstelle zur Inklusion bei Behinderung und in der Organisation "Verein Deutsche Minderheit in der Ukraine" für den Bezirk in Lutzk.
Lohner Wind: Sicher war der russische Angriff auf die Ukraine ein Wendepunkt in Ihrer Hilfsleistung. Können Sie einmal die Änderungen beschreiben?
Otto Schulte: Auch Bitten für ukrainische Soldaten werden an uns herangetragen: Schlafsäcke, Wolldecken, Thermo-Unterwäsche, Wollsocken und gefütterte, warme Stiefel werden weiterhin dringend benötigt.
Des weiterem übergeben wir bei jedes Mal große Mengen an Taschenlampen, Batterien und Akkus in den gängigen Größen.
Diese Sachspenden erfordern große Geldmittel. Bei jedem Transport investieren wir zusätzlich für Hygieneartikel. Pampers für Erwachsene, Kinder und Jugendliche sind sehr gefragt. Das Geld dafür ist derzeit bei der ukrainischen Bevölkerung nicht vorhanden. Caritasdirektor Roman Burnyk, zuständig für das Gebiet Wolhynien, bittet uns seit drei Jahren um diese Artikel. Ein weiterer Hygiene-Posten ist eine Tonne Waschpulver. Das kostet uns 3.500 Euro, zweimal im Jahr. Dazu kommen beim aktuellen Vorweihnachts-Transport 800 Lebensmittelpakete. Für ein Paket werden 30 Euro benötigt, zusammen also 24.000 Euro.
All dies kann nur mit großer Unterstützung aus der Bevölkerung geleistet werden. Wir wissen, finanzielle Unterstützung ist nicht selbstverständlich. Die Bokerner Clique und ihre Mitglieder sind in Lohne und Umgebung anerkannt.
Mit diesen Spenden können wir noch viel Positives in der Ukraine bewirken. Gerade in der aktuell angespannten Situation sind Solidaritätsbekundungen an die ukrainische Bevölkerung ein Zeichen der Hoffnung für ein Leben in Freiheit und Frieden! Ukrainer geben niemals diese Hoffnung auf!
Lohner Wind: Zurück zu Ihnen. Haben Sie weitere Hobbys?
Otto Schulte: Ich kann mit Recht sagen, im bisherigen Rentnerleben gab es für mich noch keinen Tag mit Langeweile. Neben der Arbeit für die Ukrainehilfe gibt es noch ein kleines Hobby, das Fahrradfahren; eigentlich zu jeder Jahreszeit. Wenn im Frühjahr das Wetter angenehmer wird, planen meine Frau und ich die ersten Radtouren, kleine, aber auch mehrtägige Radreisen. Da kann es schon mal passieren, dass wir drei- bis viermal im Jahr plötzlich mit den Rädern unterwegs sind. Das ist eine gute Entspannung und für uns auch Erholung.
Wie es sich für einen Lohner Bürger gehört, bin ich über 52 Jahre aktives Mitglied in der 18. Lohner Schützenkompanie "Laubfrosch" und habe jeweils fünf Jahre als Feldwebel und Hauptmann gedient. Weiterhin ist mir der Männergesangverein Concordia wichtig. Dort unterstütze ich seit 53 Jahren den 1. Tenor mit meiner Stimme.
Was soll man sich sonst wünschen? Eine stabile Gesundheit steht für meine Frau, die Familie und mich an erster Stelle.
Vielen Dank für das Interview, Herr Schulte!
Wer die Bokerner Clique finanziell unterstützen möchte, kann dies über folgendes Spendenkonto tun:
Konto: Volksbank e.G. Lohne-Dinklage-Steinfeld-Mühlen, Marktstraße 36 in Lohne
IBAN: DE 41 2806 2560 0050 7008 04



















































