Lohner Leute: Irmtrud Rießelmann
Veröffentlicht am 30.09.2026
Ich bin Irmtrud Rießelmann, geb. Espelage, stamme gebürtig aus Krimpenfort und bin seit 1983 mit Hermann Rießelmann verheiratet. Wir haben 2 Kinder, 2 Schwiegerkinder und warten gerade auf das 4. Enkelkind.
Lohner Wind: Um mit der Tür ins Haus zu fallen: Der Lohner Wind wird 50 Jahre alt und Sie haben viele Jahre daran verantwortlich mitgearbeitet. Beschreiben Sie bitte Ihr einstiges Engagement.
Irmtrud Rießelmann: 12 Jahre nach Gründung durch meinen Mann, Karl-Heinz Rohe und Werner Bömeke übergaben sie mir die Verantwortung für Redaktion und Anzeigenverkauf. Ehrgeizig startete ich in jeder Ausgabe mit einem Titelthema. Meine ersten Manuskripte waren noch handgeschrieben und wurden in der Druckerei gesetzt. Der Lohner Wind erschien vierzehntägig und machte nur in den Sommerferien Pause.
Ich berichtete 1988 über die 1. Lohner Kulturtage, die Einweihung von EgoLohne, die Stadtsanierung und immer wieder über Umweltthemen und unsere heimischen Naturlandschaften. Mit Willy Rolfes hatte ich einen erstklassigen Fotografen an der Seite. Oft wurde ich zu runden Geburtstagen, Jubiläen und anderen privaten Hochfesten eingeladen, um mit Bild und Text darüber zu berichten. Dankbar war ich immer wieder für ehrenamtliche Redakteure.
Der Anzeigenverkauf war damals nicht schwierig, denn es gab im Lohne viele inhabergeführte Geschäfte - dafür aber sehr zeitaufwändig, denn der persönliche Kontakt war mir wichtig. Erst an 2. Stelle standen Telefon und Telefax, um mit Kunden zu kommunizieren. Gute alte Zeit?!
Für die Produktion stand ein eingespieltes Team in der Druckerei bereit. Hektisch wurde es nur, wenn sehr viele Beilagen per Hand in die 6.500 Zeitungen eingelegt werden mussten. Dann galt: Viele Hände, schnelles Ende! Die Austräger – allesamt Schülerinnen oder Schüler – konnten immer pünktlich starten.
Mit dem Neubau der Druckerei am Industriering 4 kamen neue Aufgaben auf mich zu und wir entschlossen uns, unseren geliebten „Lohner Wind“ 1994 zu verkaufen. Schön, dass es danach immer wieder motivierte Geschäftsleute gab, die dem „Lohner Wind“ neuen Wind eingehaucht haben.
Lohner Wind: Irmtrud Rießelmann ist mehr als nur „Lohner Wind“. Sie haben sich einen Namen gemacht im Zusammenhang mit der „Druckerei Rießelmann“. Wo lagen die Schwerpunkte?
Irmtrud Rießelmann: Schon 1976, als mein Mann die Druckerei mit 21 Jahren übernahm, hatte er die Vision, eine Druckerei aufzubauen, die höchsten Ansprüchen genügt. Für dieses Ziel setzten wir uns beide mit unseren jeweiligen Interessen ein. Mein Interesse galt den Menschen, unseren Kunden. Mein Mann war fasziniert von neuen technischen Möglichkeiten. Das Zusammenspiel – oft hart errungen – brachte Erfolg, vor allem auch deshalb, weil langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diesen Weg ambitioniert mitgegangen sind.
Lohner Wind: Diese traditionelle Lohner Firma gibt es in diesem Zuschnitt nicht mehr. Wie sieht es in der Nachfolge aus – und spielen Sie dort noch mit?
Irmtrud Rießelmann: Es stimmt, in diesem Zuschnitt gibt es die Druckerei Rießelmann nicht mehr. Doch erfolgreiche Nachfolger haben sich sehr wohl gefunden.
So wie der „Lohner Wind“ vor 50 Jahren von meinem Mann an der Landwehrstraße gegründet wurde, haben wir im Jahr 2010 Schul-/Grundschulplaner als eigenes Produkt auf den Markt gebracht. Diese wurden von unserer Tochter Anna erfolgreich weiterentwickelt und werden von ihr heute bundesweit vertrieben.
Auch wurden unsere Kunden nach Schließung der Produktion im Jahr 2020 weiterhin von unserer langjährigen Mitarbeiterin Birgitte kleine Stüve und ihrem Team betreut. Anfang dieses Jahres ergaben sich für Frau kleine Stüve neue Perspektiven und die Rießelmann Druck & Medien wurde Teil der Sattler Media GmbH.
Der sichtbarste Nachfolger unserer Firma ist der InnovationsCampus Lohne. Als uns 2021 die Brüder Jens und Philipp Niehues ihr Konzept präsentierten, waren mein Mann und ich uns gleich einig: Aus bislang analog genutzten Räumen eine moderne digitale Arbeitswelt zu schaffen. Wir sind immer wieder beeindruckt, wie innovativ und zukunftsorientiert hier gedacht und gearbeitet wird. Aber mitspielen möchten und können wir dort nicht mehr. Höchstens als Gärtner und mal als Gastgeber, wenn es um eine Campusgarten-Party geht.
Lohner Wind: Rührige Kreativität gehört zu Ihren herausragenden Kennzeichen. Was sind für Sie die interessantesten Dinge, die Sie angestoßen haben?
Irmtrud Rießelmann: Da fallen mir zwei Buchprojekte ein, die ehrenamtlich von engagierten Lohnerinnen und Lohnern erarbeitet wurden: 2010 das Lohner Bürgerbilderbuch und 2025 das Lohner Kneipenbuch! Da gäbe es viel zu erzählen...
Ich möchte noch an eine Plakataktion in 2019 erinnern: Wir sind stark! Was ist deine Stärke? Der Sachausschuss „Blickpunkt Mensch“ der St. Gertrud Gemeinde mit dem damaligen Kaplan Bernd Holtkamp hat diese Aktion mit der Fotografin Mechtild Runnebom und dem Designbüro Welter umgesetzt. Überall in Lohne nannten uns beeinträchtigte Menschen auf Plakaten ihre starken Seiten! Abschluss dieser Aktion war der Auftritt von Samuel Koch mit seinem Musik-Freund Samuel Harfst in der St. Josefs-Kirche im Februar 2020.
Lohner Wind: Sie engagieren sich zudem in mehreren sozialen Bereichen und Vereinen…
Irmtrud Rießelmann: Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, gibt es in Lohne viele. Ich bin nur eine davon. In der Gesamtheit darf sich die Stadt Lohne glücklich schätzen, dass noch so viele Aufgaben ehrenamtlich geleistet werden. Und die Vereine und Institutionen können umgekehrt glücklich sein, dass die Stadt sie großzügig finanziell unterstützt. Das darf ich auch über die Lohner Bürgerstiftung sagen, die zwar nicht laut auftritt, dafür aber effektiv.
Lohner Wind: Bleibt noch Zeit für persönliche Hobbys?
Irmtrud Rießelmann: Wenn ich Familie und Haushalt dazu zählen darf, ja. Mit meinem Mann, unseren Kindern, Enkelkindern und Geschwistern unternehme ich gerne etwas. Und Waschen, Bügeln und Backen ist für mich eine entspannende Tätigkeit. Seit es E-bikes gibt, haben wir das Fahrradfahren für uns entdeckt. Die vielen schöne Orte unserer Heimat entdecken, ohne große Anstrengung – einfach ideal!
Lohner Wind: In Lohne hat sich viel verändert in den letzten Jahren. Was empfinden Sie als positiv?
Irmtrud Rießelmann: Ich bin immer wieder überrascht, wie viele kreative Talente wir in unserer Stadt haben. Ich besuche gerne die Kleinkunstbühne Chameleon, die Musicals im Gymnasium, die Freilichtbühnen-Aufführungen…Wenn jetzt auch noch unsere Cafe- und Kneipen-Szene Aufwind erfährt, zieht mich nichts mehr in andere Orte. „Zarte Pflänzchen“ gibt es ja schon.
Lohner Wind: ...und was würden Sie kritisieren – oder anders gestalten?
Irmtrud Rießelmann: Ich bin überzeugt vom neuen Begegnungshaus „Gertrudium“. Als Ehrenamtliche im Empfang und im Cafe freue ich mich, dass viele Menschen kommen. Insbesondere die Bücherei ist bei Familien beliebt. Wie immer, wenn man einen Neubau bezieht, klaffen oft Planung und alltägliche Nutzung auseinander. Nun hoffe ich, dass die Verantwortlichen ein offenes Ohr und noch ein wenig Geld haben für Wünsche, die das Haus noch einladender machen.
Weiter würde ich mich über mehr klimafreundliche Investitionen freuen. Zwar haben wir den Klimapark in Hopen. Doch was tun wir konkret? Gerade der Platz vor dem Gertrudium ist eine gepflasterte Fläche ohne Versickerungsmöglichkeiten des Regenwassers und ohne schattenspendende Bäume. Wir wissen doch nicht erst seit diesem Sommer, dass wir Städte brauchen, die wie ein Schwamm den Regen aufnehmen und nicht in die Kanalisation spülen und Bäume, die Schatten spenden.


























































